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Programmvorschau Theaterspielzeit 2010/2011
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Theater Basel: Programm Spielzeit 2010/2011 

BaZ vom 30. April 2010

In der fünften Spielzeit von Theaterdirektor Georges Delnon knüpft das Theater an seine bisherige Ausrichtung an. Nachfolger für die 2012 scheidenden Chefs von Oper und Schauspiel wurden noch nicht präsentiert.

 

Es ist Georges Delnons fünfte Saison als Intendant am Theater Basel, und er kann sie mit mehr Zuversicht anpacken als auch schon. Die Auszeichnung als «Opernhaus des Jahres» hat ihr Schmeichelpotenzial noch nicht ausgeschöpft, und höhere Subventionen vonseiten der beiden Basler Kantone sind zumindest in Aussicht gestellt.

 

Planbarkeit

Nun hofft Delnon, dass das «partnerschaftliche Geschäft » der Subventionserhöhung ohne Verzug über die Politikertische in Liestal und Basel geht: das Theater brauche Planungssicherheit als Voraussetzung für Qualität.

 

Die Saison beginnt früher und anderswo als sonst. Mit Händels «Alexanderfest» bespielt das Theater vom 20. August an das römische Theater in Augusta Raurica – für den Theaterdirektor auch ein Versuch, neues Publikum zu gewinnen. Spielen wird die Basel Sinfonietta, die noch ein zweites Mal in dieser Saison zum Zug kommt: im Musical- Klassiker «My Fair Lady», den Tom Ryser im November auf die Bühne bringt.

 

Bereits zu den Stammregisseuren am Theater Basel gehört der Katalane Calixto Bieito, dem man mit Verdis «Aida» eines der populärsten Repertoirewerke anvertraut (Premiere 14. September, Dirigent Maurizio Barbacini). «Wir sehen den Komponisten Verdi nahe an der Emotionalität von Calixto Bieito», sagte Operndirektor Dietmar Schwarz.

 

Dass es bereits am 1. Oktober wieder eine Basler «Aida»-Premiere gibt, ist kein Planungsfehler, sondern Frucht der Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fernsehen. Dieses will – nach «La Traviata» im Zürcher Hauptbahnhof und «La Bohème» in einem Berner Hochhaus – mit «Aida» abermals Oper aufs Fernsehformat bringen. «Es gibt drei Versionen», scherzte Delnon an der Medienkonferenz, «schönes Wetter, Regen oder Hochwasser. Das wird entsetzlich kompliziert!» Delnon rechnet mit einer grossen Zuhörerkulisse vor der Mittleren Brücke und hofft auf ein neugieriges Publikum, das sich die Verpflanzung der äthiopischen Prinzessin vom Nil an den Rhein nicht entgehen lassen will.

 

Kurz danach hat «Maldoror» von Philipp Maintz Premiere, ein gerade in München uraufgeführtes neues Musiktheaterstück, von dem die «Süddeutsche Zeitung» gestern schrieb, der Komponist lasse «Tableau auf Tableau folgen, die sich bis zur Ununterscheidbarkeit ähneln». Diesen Eindruck zu zerstreuen, wird Aufgabe der Basler Lulu-Sängerin Marisol Montalvo und des Regieteams sein.

 

Regienachwuchs

Nach fast 40 Jahren gibt es in Basel wieder einen Wagner-«Parsifal». Damals inszenierte Werner Düggelin, jetzt sollte mit Hans Neuenfels ein anderer Theater-Grossfürst Hand anlegen. Doch dieser zog die prestigeträchtigere Arbeit in Bayreuth vor ( «Lohengrin» am 25. Juli), sodass der Regiestuhl frei wurde für einen aufstrebenden Jungregisseur, Benedikt von Peter, der in Basel die «Dialogues des Carmélites» in Szene gesetzt und gerade an der Komischen Oper Berlin Beethovens «Fidelio» in einen Müllcontainer verpflanzt hat. Dirigent Mario Venzago will am 3. April 2011 mit Rolf Romei den jungen lyrischen Tenor in der Titelpartie präsentieren.

 

Ein ähnlich seltener Gast wie Wagners letzte Oper ist Tschaikowskys vorletztes Bühnenwerk, «Pique Dame». Es wird noch im Dezember von David Hermann inszeniert, das Sinfonieorchester Basel spielt dann unter dem Ersten Kapellmeister Gabriel Feltz. Die zentrale Partie der alten Gräfin singt Hanna Schwarz, Lisa wird von Svetlana Ignatovich verkörpert. Den Hermann singt mit Maxim Aksenov ein Sänger, den sich das Theater Basel nur dank einer Spende vom Theaterverein leisten kann.

 

Was noch? Christoph Marthaler baut einen noch titellosen Theaterabend, und «OperAvenir» wird ein Stück in der Art von «Wertherfieber» auf die Kleine Bühne hieven, wieder mit Rolando Garza als Dirigent und Jurate Vansk am Regiepult. In Koproduktion mit dem Festival von Schwetzingen, dessen Musiktheater von Georges Delnon geleitet wird, gibt es im Juni 2011 die Gluck-Rarität «Telemaco», in der man den Publikumsliebling Maya Boog erleben kann und zwei für Basel neue Künstler: die estnische Dirigentin Anu Tali und den erst 30-jährigen Regisseur Thomas Kratzer.

 

Jubeljahr

Für Ballettdirektor Richard Wherlock, der sich im Grosserfolg seiner «Carmen» sonnt, beginnt im September seine zehnte Basler Saison. Ungefeiert bleibt das nicht: Am 6. November gratulieren internationale Gäste am «Jubiläumsabend ». Davor erhält Wherlock von seinem Mentor Jiri Kylián ein besonderes Geschenk. Der grosse Choreograf studiert eines seiner wenigen abendfüllenden Werke mit dem Ballett Basel ein: «One of a Kind», Premiere zum Saisonstart am 24. September.

 

 

Richard Wherlock selbst besinnt sich im Januar 2011 mit «Giselle» auf einen der grossen Stoffe des Handlungsballetts – allerdings stammt diese Giselle aus dem Schweizer Oberland. Den Ballettabend «Loops» bestreiten der Finne Jorma Elo und Wherlock selbst je mit einer Uraufführung. Nacho Duato aus Madrid steuert das dritte Stück bei. Zum Saisonende choreografieren dann Tänzer aus dem Ballett im «Dance Lab» eigene Werke. Dies in enger Koproduktion mit der Basler Musikhochschule, mit der das Basler Ballett auch im Stück von Jiri Kylián zusammenarbeitet: Dort spielt an einigen Abenden der Cellist Matthew Barley, bis er von drei Studierenden der Basler Musikhochschule abgelöst wird.  

 

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