Ungezügelte Tobsucht und Tanz ohne Ruh und Rast
Einen grossen romantischen Ballettstoff wird in der kommenden Spielzeit Richard Wherlock mit seinem Ensemble auf die Basler Bühne bringen: «Giselle». Inspiriert aus Heinrich Heines Beschreibung der «Elementargeister» wurde das Stück gleichsam zu einem Archetyp des romantischen Balletts. «Es ist die Sage von den gespenstischen Tänzerinnen, die dort unter dem Namen «die Willis» bekannt sind. Die Willis sind Bräute, die vor der Hochzeit gestorben sind. Die armen jungen Geschöpfe können nicht im Grabe ruhig liegen, in ihren todten Herzen, in ihren todten Füssen blieb noch jene Tanzlust, die sie im Leben nicht befriedigen konnten, und um Mitternacht steigen sie hervor, versammeln sich truppenweise an den Heerstrassen, und Wehe! dem jungen Menschen, der ihnen da begegnet. Er muss mit ihnen tanzen, sie umschlingen ihn mit ungezügelter Tobsucht, und er tanzt mit ihnen, ohne Ruh und Rast, bis er todt niederfällt.» so schreibt Heine. Nach «Carmen» nun also ein weiteres grosses Handlungsballett von Richard Wherlock, das uns von den eigenwilligen Wegen der Liebe erzählt. Diesmal ist es eine Liebe, die Berge versetzt und jede Menge Alphörner zum erklingen bringt. Mit dieser «Giselle» geht Richard Wherlock einen Schritt weiter auf seinem Weg der zeitgenössischen Interpretation grosser Stoffe und romantischer Ballettklassiker. Nicht nur musikalisch wendet sich Richard Wherlock mit Adolphe Adams Ballettkomposition zu grossen romantischen Gefühlen hin. Eine romantisierende Vorstellung von Liebe wird auch in diesem Ballett gedeihen. Unsere Giselle kommt aus der Schweiz und hat ihren Albrecht so gern, dass sie für ihn sogar Berge versetzen würde. Wundern sie sich also nicht, wenn an diesem Ballettabend Kühe quer über die Bühne fliegen.
Einzigartiger Leckerbissen vom Grossmeister
Bevor es aber im Januar 2011 soweit ist, wird es zu Beginn der Spielzeit erst einmal einen «choreographischen Leckerbissen» vom Grossmeister Jirˇí Kylián zu sehen geben. In «One of a Kind» zelebrieren die Basler Tänzerinnen und Tänzer sein atmosphärisch dichtes Ballett aus dem Jahr 1998. In drei Akten entfalten sich Bühnenbild, Licht und dunkler Celloklang zu einer Symbiose mit virtuos gestalteten Pas de deux und in den Raum geschriebenen Gruppenvariationen. Es entstehen poetische Bilder von berührender Intensität. «One of a Kind» steckt voller Überraschungen. Eine Tänzerin sucht ihren Weg durch die Geometrie bewegter Sphären. Unerwartete Entwicklungen und unverhoffte Wechsel bestimmen die Szene. Jede Bewegung, jedes Bild und jeder Klang ist exakt aufeinander abgestimmt. Nach den ersten Vorstellungen, in denen Matthew Barley live auf der Bühne das Violoncello spielt, wird er in den folgenden Aufführungen von Studierenden der Musikakademie Basel abgelöst.
Experimente im Tanz- und Musiklabor
Im Rahmen des «Dance Lab» Projektes findet dann erneut und in einer ganz besonderen Form eine Zusammenarbeit des Balletts mit der Hochschule für Musik Basel statt. Die Umsetzung eigener Ideen und die Realisation selbst geschaffener Werke ist für junge Künstler eine wichtige Erfahrung auf ihrem Weg zur kreativen Reife. Das dritte «Dance Lab» trägt diesem Umstand Rechnung und bietet fünf jungen Choreographinnen und Choreographen aus dem Ballettensemble und fünf jungen Komponistinnen und Komponisten, die an der Musikakademie studieren, eine Gelegenheit zum Experimentieren. Zu zeitgenössischen Tonschöpfungen werden abstrakte Formen, assoziative Bilder oder auch kurze Geschichten auf der Kleinen Bühne entstehen. An der Premiere wird eine Jury des Basler Sperber-Kollegiums anwesend sein und aus den fünf ca. zehnminütigen Stücken die Gewinner für die vom Kollegium ausgeschriebenen Jugend und Anerkennungspreise auswählen. Das bereits vierte Education Projekt des Ballett Basel wird ebenso eine musikalische Kooperation beinhalten. Die basel sinfonietta spielt den «Karneval der Tiere» von Camille Saint-Saëns, zu dem Richard Wherlocks Educationteam gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen eine witzige und überraschende szenisch-choreographische Umsetzung gestalten wird. Bereits in dieser Saison haben die Schülerinnen und Schüler mit den Vorbereitungen dazu begonnen. Mit dabei ist diesmal auch Publikumsliebling Roderick George, der es versteht, in seinen Workshops die jungen Menschen für den Tanz zu begeistern.
Schleifen und Kringel im Mai
Im Frühling 2010 wird das Ballett Basel dann in «Loops» nicht nur durch den Mai, sondern durch die Stücke zweier international hoch dotierter Choreographen tanzen. Der Spanier Nacho Duato lässt sein 1991 uraufgeführtes Stück «Duende» in Basel einstudieren, während der Finne Jorma Elo eine «Golden Partita» exklusiv für das Basler Ballett kreiert. Dazu wird Richard Wherlock ein drittes Stück beitragen, das mit physischer Kraft und Schnelligkeit die Kreise zu akrobatischen «Loopings» schliessen wird. «Loops» ist das englische Wort für Schlaufe oder Kringel und einer Schleife gleich, mäandert das Basler Ballettensemble durch die drei Stücke und lassen einmal mehr ein Kaleidoskop zeitgenössischen Tanzschaffens auf der Bühne entstehen.
Liebeserklärung zum Geburtstag
Es gibt aber auch einen Grund zum Feiern beim Ballett Basel: Die Saison 2010/2011 ist die zehnte Spielzeit von Richard Wherlock an diesem Haus. Und somit Anlass für einen Jubiläumsabend, an dem der Ballettchef seine Kontakte zu Künstlern aus aller Welt aktiviert und nach Basel einlädt was Rang und Namen oder besser was Dynamik und Verve, Technik und Anmut hat. International gefeierte Gäste aus Ost und West werden ihre tänzerischen Geburtstagsgrüsse auf der Bühne überbringen und dabei dem Publikum ein breites Spektrum verschiedenster Tanzstile darbieten. In diesem Sinne wird auch dieser Jubiläumsabend eine grosse Liebeserklärung an den Tanz in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen sein. Mal dynamisch schnell oder mal die lyrische Langsamkeit zelebrierend; mal mitreissend pulsierend oder aber kraftvoll erhaben. Auf jeden Fall auf allerhöchstem Niveau, ganz so wie in den vergangenen zehn Jahren. Feiern Sie mit uns einen Happy Birthday Ballett Basel am 6. November 2010 auf der Grossen Bühne.
— Bettina Fischer —
ONE OF A KIND
Choreographie von Jirˇí Kylián Mit dem Ballett Basel In Kooperation mit der Musikakademie der Stadt Basel / Hochschule der Musik Premiere am 24. September 2010 — Grosse Bühne
GISELLE
Choreographie von Richard Wherlock Mit dem Ballett Basel und dem Sinfonieorchester Basel Premiere am 12. Januar 2011 — Grosse Bühne
LOOPS
Choreographien von Jorma Elo, Nacho Duato und Richard Wherlock Mit dem Ballett Basel Premiere 5. Mai 2011 — Grosse Bühne
Jubiläumsabend
Zehn Jahre Ballett Basel mit Richard Wherlock
Mit dem Ballett Basel, dem Sinfonieorchester Basel und internationalen Gästen 6. November 2010 — Grosse Bühne
Education Projekt 2010 «Karneval der Tiere»
Mit dem Ballett Basel, der basel sinfonietta, Schülerinnen und Schüler der fms und Primarschule Bläsi Basel Eine Kooperation mit der Abteilung Kultur des Präsidialdepartements Basel-Stadt
19. und 20. Oktober 2010 — Foyer Grosse Bühne
Dance Lab 3
5 Tänzerinnen und Tänzer des Ballett Basel choreographieren eigene Stücke In Kooperation mit Studierenden der Kompositionsklasse der Hochschule für Musik Basel und dem Sperber-Kollegium Basel Premiere 8. Juni 2011 — Kleine Bühne